Legal Evolution and European Harmonisation of Company Law


Type Research Project

Funding Bodies
  • Austrian Science Fund

Duration March 1, 2005 - Sept. 30, 2010

http://www.wu-wien.ac.at/privatrecht/START-Projekt2
  • Civil Law and Civil Procedure I AB (Details)

Tags

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  • Bachner, Thomas (Details) Project Head
  • Grechenig, Kristoffel (Former researcher)
  • Lemanska, Elzbieta (Former researcher)
  • MacKinnon, Kimberley (Former researcher)
 

Abstract (German)

Das Projekt untersucht Unterschiede zwischen den Rechtsordnungen der Mitgliedstaaten der EU im Gefolge einer Harmonisierung durch EU-Richtlinien auf dem Gebiet des Gesellschaftsrechts. Dabei wird ein Erklärungsansatz verwendet, der das Recht als ein evolvierendes, autopoietisches System versteht. Die Wechselwirkungen zwischen EU-Richtlinien und den nationalen Rechten sind ein komplexes Phänomen. Strukturen der nationalen Rechtsdogmatik beeinflussen das Verständnis der Juristen in den verschiedenen Rechtsordnungen hinsichtlich des Inhalts der Richtlinien. Jede Richtlinie lässt unterschiedliche Interpretationen zu, nicht zuletzt wegen der 11 Amtssprachen. Schon bei der Umsetzung entscheidet sich der nationale Gesetzgeber für bestimmte Formulierungen. Danach werden weitere Auslegungsfragen durch Rechtsprechung und Lehre geklärt. Entscheidend ist, dass diese Weichenstellungen nicht willkürlich erfolgen, sondern abhängig sind von vorhandenen Rechtsvorstellungen unter den Juristen in der betreffenden Rechtsordnung. Durch diesen Prozess kann jede Rechtsordnung, in gewissem Umfang, ihre innere Kohärenz erhalten, aber gleichzeitig wird der Harmonisierungseffekt der Richtlinie abgeschwächt.
Das Projekt wird derartige Unterschiede im Gefolge einer Harmonisierungsmaßnahme systematisch erfassen (und zwar mit Schwerpunkt England und Deutschland). Durch den Blick auf nationale Rechtsprechung kann im Sinne einer Innenperspektive heraus gearbeitet werden, warum Juristen in einer Rechtsordnung in einem Bereich, der eigentlich harmonisiert sein sollte, weiterhin Auslegungsfragen diskutieren, während Juristen in anderen Rechtsordnungen damit kein Problem zu haben scheinen.
Das Projekt stellt tief verwurzelte Grundhaltungen in der Debatte über die europäische Rechtsharmonisierung in Frage, nämlich das Ideal der Kodifikation bzw. den Glauben an spontane Konvergenz und auch die funktionale Methode der Rechtsvergleichung mit ihrem Bestreben, sich vom rechtsdogmatischen Diskurs zu lösen.


Abstract (English)

The project will investigate post-implementation divergences between the legal systems of EU member states in areas supposedly harmonised by European company law directives, and will explain them with reference to an evolutionary theory of law as an autopoietic system.The interaction of European directives with national laws is a complex phenomenon. National doctrinal structures influence the ways in which lawyers from different jurisdictions understand the contents of the directives. Each directive will allow for a range of differing interpretations, not least because the text exists in 11 different language versions. On implementation the national legislator makes choices as to how the provisions will be framed. After this there may still be room for differing interpretations, and they will be narrowed down by subsequent case law and academic exposition. Importantly these selections will not be random, but will invariably be contingent on pre-existing legal concepts, held by lawyers in that particular jurisdiction.The project will systematically gather knowledge about such post-implementation divergences(focusing on England and Germany in particular). By studying national case law in areas of previous harmonisation measures, we shall find out what prompts doctrinal debates in one jurisdiction where lawyers elsewhere appear not to have a problem on the same point. The doctrinal approach will help us to understand the legal discourse in each of the systems from within.The project will seek to explain these divergences with reference to an evolutionary theory of law as an autopoietic system.The project will also study European company law harmonisation in the wider context of legal transplants, and it will contrast the usual small-scale, piece-meal approach typical of harmonisation measures with the more"holistic"transplantations of German company law to Austria and Poland.
Finally, the project will draw conclusions for the future of European legal harmonisation.